Das im Castello-Viertel gelegene gigantische Areal der Werft Arsenale ist vielleicht nicht die bekannteste Sehenswürdigkeit Venedigs, dafür jedoch eine der interessantesten. Der von Löwen bewachte Eingang zur Werft durch die Porta del Arsenale ist wie ein antiker Triumphbogen gestaltet.

Bei dem ersten Bauwerk im Stil der venezianischen Frührenaissance mit einem geflügelten Markuslöwen im Zentrum des Giebels würde man nicht vermuten, dass sich dahinter einer der größten und produktivsten Industrieanlagen Europas verbirgt. Im Arsenale, der verbotenen Stadt Venedigs, wurden Kriegsschiffe und Handelsgaleeren beinahe in Akkordarbeit gebaut. In der Blütezeit der Lagunenstadt brachte es die Werft, zu der kein Unbefugter Zutritt hatte, auf etwa 200 Schiffe pro Jahr. Bereits im Jahr 1104 begann die industriemäßig betriebene Schiffsproduktion, als der damals regierende Doge den Kreuzrittern eine Flotte zur Verfügung stellen wollte.

Diese für damalige Zeiten einmalige Arbeitsweise wurde sogar von Dante Alighieri später im 21. Gesang seiner “Göttlichen Komödie” beschrieben. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde die Fläche der Werft vergrößert und durch Produktionsstätten für Waffen, Munition, Schlossereien und Bäckereien für Schiffszwieback erweitert. Bis zu 16.000 Arbeiter, Arsenalotti genannt, waren in dem riesigen Industriekomplex beschäftigt und zu strengstem Stillschweigen gegenüber der übrigen Bevölkerung verpflichtet.

Die Geheimniskrämerei dauert bis heute noch an, denn die Anlagen des Arsenals sind generell nicht zugänglich, obwohl die Werft nach dem Zweiten Weltkrieg endgültig geschlossen wurde. Ein militärisches Sperrgebiet inmitten der Serenissima – man fragt sich, was hier vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen werden soll? Um sich wenigstens einmal pro Jahr den Anschein von Transparenz zu geben, sind Teile des gigantischen Arsenals im Rahmen der Kunst-Biennale kurzzeitig geöffnet.