Man muss wissen, wo es sich versteckt hat, doch die Suche lohnt sich. Das Ca’ d’Oro oder die Casa Venezia ist ein Kleinod unter den venezianischen Palazzi. Die spätgotische Fassade mit den byzantinisch-orientalischen Elementen wirkt wie eine geklöppelte kostbare Spitze aus Burano. Was wie ein aus einer luftigen Laune heraus entstandenes Gebäude aussieht, ist tatsächlich eines der Gründerhäuser Venedigs. Erbaut wurde die Ca’ d’Oro als “fondaco”, dem Händlerpalast, der offen zugänglich war und somit ein ständiges Kommen und Gehen von Kunden und Geschäftsleuten ermöglichte. Die dem Kanal zugewandte Seite ist auch hier die prächtigste, was nicht zuletzt Prestigegründen geschuldet war.

Das Goldene Haus wurde Anfang des 15. Jahrhunderts erbaut und diente viele Jahre lang als Handelskontor, in dem Geschäfte verschiedenster Art abgewickelt wurden. Ende des 19. Jahrhunderts kaufte Baron Giorgio Franchetti den Palazzo und ließ ihn von Grund auf renovieren. Später vermachte er das Gebäude samt der darin befindlichen Kunstsammlung der Stadt, die darin die Galleria Franchetti einrichtete. Kunstvolle und seltene Renaissancemöbel, erlesene Perserteppiche und eine hochrangige Gemäldesammlung können darin besichtigt werden. Eines der wertvollsten Gemälde dürfte Tizians “Venus vor dem Spiegel” darstellen. Doch auch ohne die zur Schau gestellten Exponate wäre die Ca’ d’Oro es wert, ihr gebührende Aufmerksamkeit zu widmen: der prächtige Mosaikfußboden im Erdgeschoss ist ebenso kunstvoll gearbeitet wie die filigranen Loggien und die verspielten Zinnen, die dem Palazzo das Flair eines Märchenschlosses verleihen. Ein Blick von der Loggia des vornehmen Obergeschosses auf den Canal Grande vermag den Glanz und die Bedeutung der Serenissima in früheren Zeiten lebendig werden zu lassen.