11.11.2010 News

Jede Stadt hat ihre Helden und Sagengestalten – Venedig hat seinen Casanova. Der venezianische Tausendsassa muss ein wahres Genie gewesen sein; unermüdlicher und raffinierter Liebhaber, Selfmademan, Gauner, Spitzel und Abenteurer in einer Person. Giacomo Girolamo Casanova wurde am 2. April 1725 im Markusviertel geboren. Als Sohn einer Schauspielerin und mutmaßlich eines Schauspielers sollte Casanova die Kirchenlaufbahn einschlagen, was jedoch kläglich scheiterte, nachdem er mitten in seiner Predigt betrunken von der Kanzel fiel.

Er verdingte sich als Sekretär und reiste nach Korfu und Konstantinopel, später sogar nach Rom, wo er den Papst mit seinen amüsanten Geschichten bestens unterhielt. Aufgrund diverser Liebschaften wurde ihm das römische Pflaster zu heiß und er ging in seine Heimatstadt zurück. Dort verkehrte er in Adelskreisen, war häufiger Gast in Spielcasinos und den verrufendsten Bordellen der Stadt. Man munkelt, dass er sogar vor Klostermauern nicht zurückschreckte und keine Nonne vor ihm sicher war.

Wahrscheinlich aufgrund einer Denunziation wurde Casanova verurteilt und musste in den berüchtigten Bleikammern des Dogenpalastes schmoren. Von dort gelang ihm nach langen mühsamen Grab- und Bohrarbeiten eine spektakuläre Flucht ins Ausland. Erst 18 Jahre später traute er sich wieder nach Venedig und arbeitete dort als Spitzel für die venezianische Geheimpolizei. Nachdem Casanova wieder das Opfer eines Verrats wurde, verbannte man ihn auf Lebenszeit aus seiner Heimatstadt.

Er schlug sich an den Höfen von Paris, Sankt Petersburg, Wien und London durch, wo er die verschiedensten Funktionen innehatte. Casanova starb 1798 auf Schloss Dux in Böhmen, wo er zuletzt als Bibliothekar gearbeitet hatte. Seine abenteuerlichen Erlebnisse und Liebesaffären schrieb Casanova ausführlich nieder. Die “Geschichte meines Lebens” zählt noch heute zu den Klassikern von kulturgeschichtlichem Rang.