Die Verschmelzung der spätgotischen Bauweise mit orientalisch-byzantinischen Elementen ist charakteristisch für viele
hochherrschaftliche Palazzi am Ufer des Canal Grande. Ebenso prächtig wie die Fassade ist auch das Innere des Palazzo Ducale; eine monumentale Treppe, die von gigantischen Statuen der Götter Mars und Neptun flankiert wird, führt in das Obergeschoss hinauf. Auf der obersten Treppenstufe wurde jeweils der neue Doge mit dem Corno ducale, der an eine Nachthaube erinnernden Dogenmütze, feierlich gekrönt. Bei einem Rundgang durch den Palast erschließt sich dem Besucher die Bedeutung und Macht der damaligen Regierung auf eindrucksvolle Weise. Die saalartigen Räume sind mit wertvollen Gemälden von Tizian, Tintoretto und Veronese ausgestattet – Geld spielte bei der Einrichtung des Dogenpalastes in der reichen Lagunenrepublik offensichtlich keine Rolle.
Die kostbare Ausstattung setzt sich in den Privatgemächern des Dogen fort, in denen u.a. Werke von Hieronymus Bosch und Giovanni Bellini zu bestaunen sind. Weniger prunkvoll ging es dagegen in den Kerkern und Folterkammern zu, die den düsteren Teil des Dogenpalastes ausmachen. Von dort aus mussten die Verurteilten ihren schweren Gang über die Seufzerbrücke in die berüchtigten Bleikammern des venezianischen Staatsgefängnisses antreten, wo sie im Sommer unter dem Dach aus Blei im wahrsten Sinne des Wortes vor sich hin schmorten. Die Gefangenen im Erdgeschoss waren nicht viel besser dran, da die durch den Brunnen aufsteigende nasskalte Feuchtigkeit ebenso unerträglich war. Casanova war einer der wenigen Häftlinge, dem die spektakuläre Flucht aus diesem Gefängnis gelungen sein soll.
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