Man teilte den venezianischen Juden einen Bezirk als Wohnort zu, der ringsum von Kanälen umgeben war. Da sich dort zuvor die Neue Gießerei befand, nannte man diesen Ort “Il Ghetto nuovo” von “gettare” für gießen. Obwohl die Juden auch in Venedig von vielen Einschränkungen und Schikanen betroffen waren, legten sie großen Wert auf Bildung und die Ausübung ihrer religiösen Bräuche. Insgesamt fünf Synagogen wurden im jüdischen Viertel errichtet, die man jedoch erst bei genauem Hinschauen erkennt, da sie
weitgehend in Wohnhäuser integriert worden sind.
In diesen Synagogen, die nach den christlichen Scuole für Schule von den Juden Scola oder Schola genannt wurden, befanden sich neben den Gebetsstätten auch Schul- und Versammlungsräume. Die Gebetshäuser waren mit Holz und Stuckarbeiten ausgestattet, da es den Juden verboten war, in ihren Gebäuden Marmor zu verwenden. Wie im übrigen Europa auch waren die Juden in Venedig rigorosen Gesetzen unterworfen.
Sie erhielten keine Bürgerrechte, durften keinen Grundbesitz erwerben und als Beruf blieb ihnen neben Händler, Krämer, Schneider und Kesselflicker meist nur der des Geldverleihers übrig. Trotz der drangvollen Enge im Ghetto gedieh die jüdische Gemeinde und zahlte die ihnen auferlegten Zwangssteuern auf Heller und Pfennig. Bis zu acht Stockwerke waren die Häuser hoch, da man aus Platzmangel nach oben bauen musste. Erst im Jahr 1797 öffnete Napoleon die Tore des Ghettos und beendete diesen für Venedig sehr unrühmlichen Zustand. Heute leben noch etwa 500 Juden in Cannaregio, jedoch nur wenige im ehemaligen Ghetto.
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