So gesehen, tragen die Gondeln immer Trauer, denn sie sind seit etwa 1560 schwarz. Um dem Neid unter den reichen Venezianern
Einhalt zu gebieten, verordnete der damalige Doge den prächtig verzierten und in allen Farben des Regenbogens gehaltenen Gondeln einen einheitlichen schwarzen Anstrich. Doch die listenreichen Venezianer umgingen dieses Luxusverbot, indem sie kurzerhand das Innere ihrer kleinen Holzkabinen der Gondeln umso prachtvoller ausstatteten. Gondelfahren will gelernt sein. So gehören die Gondolieri einer eigenen Zunft an, der man nicht so einfach beitreten kann. Meist wird die Kunst des Gondelfahrens samt der dazugehörenden Lizenz von Generation zu Generation weitergegeben.
Auch der Bau einer Gondel ist eine Kunst für sich. Es gibt kaum noch Werften, die sich die Herstellung dieser einzigartigen Wassergefährte spezialisiert sind. Etwa 15.000 Euro kostet das instabil wirkende Boot, dessen Rudergabel exakt auf das Gewicht seines Gondoliere abgestimmt sein muss. Bei näherem Hinschauen entdeckt man heute nur noch Touristen, die sich via Gondel durch die Wasserstraßen von Venedig fahren lassen. Kaum ein Einheimischer lässt sich noch so transportieren, man kann über die Gründe nur rätseln.
Wer es sich leisten kann, sollte sich eine Gondelfahrt durch das historische Zentrum gönnen, wofür man zwischen 62 und 77 Euro berappen muss, je nach Tageszeit und Dauer der Fahrt, denn was wäre Venedig ohne seine Gondeln? Diese Frage stellt sich zum Glück nicht, denn selbst wenn die Serenissima eines Tages versinken sollte, schwimmen die Gondeln weiterhin oben.
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