Als Napoleon im Jahr 1797 die unabhängige Republik Venedig auflöste, verbot er damit auch den Karneval, was die Venezianer beinahe
ebenso hart traf. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die Karnevalsfeiern im Rahmen eines Theaterfestivals allmählich wieder auf Touren. Ausgelassene Umzüge und Straßenfeste feiert Venedig erst wieder seit Ende der 1970er Jahre.
Was für viele Touristen ein starker Magnet darstellt, bewirkt bei vielen Venezianern das genauer Gegenteil: wer kann, verlässt die Stadt für die Dauer des närrischen Treibens. Denn hier wie in anderen Hochburgen des Karnevals auch herrscht in dieser Zeit absolute Ausnahmestimmung, die man nur ertragen kann, wenn man mitmacht.
Besonders berühmt sind die traditionsreichen Karnevalskostüme, die alle einen historischen Hintergrund haben. So war die Maschera nobile im 17. und 18. Jahrhundert Mode; sie besteht aus einer schwarzen Kapuze, einem schwarzen Mantel und einer weißen Halbmaske, die den unteren Teil des Gesichts verdeckt. Als Kopfbedeckung trägt man hierzu einen mit weißen Federn geschmückten Dreispitz.
Die Verkleidung als Medico della peste stammt aus der Zeit der Pestepidemien. Wer als Pestarzt auftreten möchte, benötigt einen Schlapphut und eine lange Schnabelmaske. Ob man es damit den ganzen Tag aushält, sollte man sich besser vorher überlegen. Die Kostüme der Figuren der Commedia dell’Arte sind ebenfalls sehr beliebt. Bunt und fröhlich gemustert, entsprechen sie am ehesten einer passenden Kostümierung für das ausgelassene Karnevalstreiben. Historische Umzüge, Straßenfeste, Maskenbälle, Feuerwerke und künstlerische Darbietungen machen den Carnevale di Venezia in dieser einmaligen Kulisse zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Foto: thinkstockimage-Medioimages-Photodisc