Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1291 verlegte die Regierung die gesamte Glasproduktion nach Murano. Hier konnte im Falle eines Falles nicht allzu viel passieren, außerdem gestaltete sich die Überwachung der Glasherstellung dort einfacher. Ebenso wie die
Werftarbeiter im Arsenal waren die Glasbläser strenger Geheimhaltung unterworfen.
Die Herstellung von Spiegeln, Brillengläsern und Schalen wurde bald schon industriemäßig betrieben und die Produkte fanden in ganz Europa und in den orientalischen Ländern reißenden Absatz. Besonders die bunten Glaskreationen und die Aufschmelzungen von Email und Blattgold waren sehr einträglich, weshalb deren Herstellung streng geheim gehalten wurde. Diese Geheimniskrämerei kippte schließlich im 17. Jahrhundert, als immer mehr Glasbläser ins Ausland auswanderten – und das trotz Androhung der Todesstrafe.
Böhmische Glasbläser übernahmen die venezianische “Rezepturen”, während im Gegenzug dazu in Murano “böhmisches Kristall” hergestellt wurde. Neben seiner Glaswerkstätten war Murano auch einige Zeit als Sommersitz für Adlige und wohlhabende Venezianer in Mode. Die Ruhe und malerisch angelegte Gärten machten die Insel zu einem erholsamen Zweitwohnsitz außerhalb der lauten und geschäftigen Serenissima. Heute ist Murano eine vom Alltag bestimmte Kleinstadt, der jedoch durch das farbenprächtige Gefunkel seiner gläsernen Kostbarkeiten wunderschöne Lichtreflexe aufgesetzt werden.
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