Gleich an der berühmten Rialtobrücke liegt das gleichnamige Viertel, das als “Bauch Venedigs” bezeichnet wird. Das labyrinthartige Gewirr von engen Gassen, aufgeschütteten Kanälen und schmalen Brücken gilt oft auch als das ursprüngliche Venedig, da hier die Bewohner der Lagune mit der Erschließung des “tiefen Flusses” (Rivus Altus) begonnen haben sollen. Trotz der beengten Verhältnisse brodelt im Rialtoviertel nach wie vor das Leben.

Wo früher das mittelalterliche Venedig sein Handelszentrum hatte, findet auch heute noch der Rialtomarkt statt, dessen buntes Treiben man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Besonders empfehlenswert ist der Obst- und Gemüsemarkt, wo die frische und gefällig arrangierte Ware in bunter Vielfalt lockt, und auch der Fischmarkt ist schon wegen der lautstarken Stimmen der Händler, die ihren Fang anpreisen, sehens- und hörenswert.

Auch die schmalen Gässchen sind einen Abstecher wert; anhand ihrer Namen kann nachvollzogen werden, welche Handwerker früher hier ihrem Gewerbe nachgingen. Es gibt das Revier der Metzger, daneben das der Fassbinder; bei den Juwelieren und Goldschmieden ging es ein klein wenig vornehmer zu, während die Geldwechsler nicht weit vom Schuldnergefängnis zuhause waren. Die Hauptattraktion dieses Viertels ist die Rialtobrücke, die über den Canal Grande führt und den zentralen Verkehrsknotenpunkt der Lagunenstadt darstellt.

Die ursprünglich aus Holz errichtete Brücke stürzte Mitte des 15. Jahrhunderts unter der Menschenlast zusammen – neu erbaut wurde sie dann aus Stein. Das Besondere an der Brücke sind ihre Läden, die man aus allgemeinem Platzmangel errichtet hatte und um mit der Miete die ständigen Bauarbeiten an der Brücke zu finanzieren. Besonders zur Karnevalszeit gibt es auf der Brücke und dem ganzen Viertel kaum ein Durchkommen. Obwohl das Rialtoviertel heute überwiegend touristisch ausgerichtet ist, vermag es dem Besucher nach wie vor das Flair eines mittelalterlichen Handelszentrums zu vermitteln.