01.05.2011 News

In Venedig gibt es ein Problem, das inzwischen für die Stadt jedoch nicht mehr wirklich eines ist. Da die Stadt von zahlreichen Kanälen durchzogen ist und auch direkt an der italienischen Adria liegt, kommt es immer mal wieder zu Hochwasser. Das Hochwasser von Venedig kann man allerdings nicht mit den verheerenden Überschwemmungen vergleichen, von denen man immer wieder in den Nachrichten hört.

Venedig ist auf diese Problematik eingestellt, deswegen hat man die Häuser in der Stadt auch auf Holzpfählen errichtet, diese wurden in mehrere Schichten auch Sand und Ton gerammt, um den Gebäuden eine außergewöhnliche Stabilität zu verleihen. Das regelmäßige Hochwasser liegt zum Teil daran, dass der Meeresspiegel in den vergangenen 110 Jahren um rund 23 Zentimeter angestiegen ist, was teilweise auch an der Wasserentnahme und der dadurch verursachten Absenkung des Lagunenbodens liegt.

Allerdings kommt es nur selten zu richtigem Hochwasser, wie zum Beispiel nach der schlimmen Sturmflut im Jahr 1966. Im Dezember 2008 erreichte das Wasser einen Pegelstand von 156 Zentimetern. Momentan arbeitet die Stadt an einem besonderen Projekt, bei dem fast 80 Schleusentore, die am Meeresboden installiert wurden, immer dann mittels Druckluft aufgerichtet werden, wenn der Pegel einen bestimmten Stand überschreitet. Bereits im Jahr 2004 hat man mit der Realisierung dieses Projektes begonnen, die Fertigstellung wird jedoch erst für das Jahr 2014 erwartet.

Zum Hochwasser in Venedig kommt es in der Regel dann, wenn die Flut in der Adria einsetzt, vor allem bei Neumond und Vollmond steigt das Wasser besonders hoch. Aus diesem Grund kann man sich bei der Vorhersage von möglichem Hochwasser recht zuverlässig an den Mondphasen orientieren, denn bei Halbmond muss man niemals Hochwasser befürchten. Wenn man sich den Mondkalender ansieht, kann man also bereits seine Reiseplanung an den verschiedenen Mondphasen ausrichten.

Falls es zu Hochwasser kommt, dann passiert dies niemals schlagartig, denn das Wasser steigt nur ganz langsam an. Für viele Touristen ist es sogar ein besonderes Erlebnis, in Gummistiefeln über den leicht überschwemmten Markusplatz zu stapfen. Mit der Ebbe verschwindet das Wasser wieder, es kann lediglich etwas Unrat und Schmutz zurück bleiben. Manchmal fällt die Flut natürlich auch in die Nacht, dann bleibt am nächsten Morgen nur ein nasser Markusplatz übrig, vom Hochwasser haben die meisten Touristen nichts mitbekommen.

Normalerweise erreicht das Hochwasser nur zwischen 20 und 50 Zentimetern, man steht also höchstens bis zu den Knien im Wasser. Das Wasser hat dabei auch keine braune Verfärbung, sondern ist vollkommen klar, es handelt sich um das ganze normale Meerwasser, das bei Ebbe wieder verschwindet. Das Hochwasser in Venedig ist auch vollkommen unabhängig vom Wetter, so kann es sowohl bei strahlendem Sonnenschein als auch bei Regen auftreten.

Da die Meteorologen die Lage gut voraussehen können, baut die Stadt Venedig immer rechtzeitig Stege aus Holz auf, damit die Touristen zum Beispiel trockenen Fußes in den Markusdom gelangen können. Die Schifffahrt auf dem Canale Grande nimmt auch bei Hochwasser in ganz normalen Lauf, die Stadt ist bestens auf das regelmäßige Hochwasser eingestellt, so dass Touristen keinerlei Beeinträchtigungen befürchten müssen.